Quiz zu Kap. 1: State of the World & Ursachen für NachhaltigkeitsproblemeOnline version
Ausmaß der Nicht-Nachhaltigkeit erkennen und Ursachen für Nachhaltigkeitsprobleme verstehen
1
Was sagt der weltweite "Erdüberlastungstag" aus, der bereits im Juli eines Jahres erreicht wird?
2
Wie wird der "ökologische Fußabdruck" ermittelt?
3
Welche der folgenden Aussagen in Bezug auf den Klimawandel ist richtig?
4
Was veranschaulicht das Konzept der Planetary Boundaries?
5
Was verstehen wir unter VUCA?
6
Was sind "negative externe Effekte"?
7
Was ist unter einem "sozialen Dilemma" im Kontext der Umweltökonomik zu verstehen? (mehrere Antworten sind möglich)
Wählen Sie eine oder mehrere Antworten
8
Wodurch ist Effektivität (in Abgrenzung zur Effizienz) gekennzeichnet? (mehrere Antworten sind möglich)
Wählen Sie eine oder mehrere Antworten
9
Folgende Grundannahmen und Paradigmen erscheinen für Nachhaltigkeitsbetrachtungen geeignet (mehrere Antworten sind möglich):
Wählen Sie eine oder mehrere Antworten
10
Folgende ökonomische Ursachen sind für Umweltprobleme auszumachen (mehrere Antworten sind möglich):
Wählen Sie eine oder mehrere Antworten
Erläuterung
Der Erdüberlastungstag (Earth Overshot Day) veranschaulicht das Ausmaß menschlicher Ressoucennutzung im Verhältnis zur verfügbaren Biokapazität (jährlich nachwachsende Ressourcen).
Der Erdüberlastungstag besagt nicht, dass alle (fossilen + regenerativen) Ressourcen verbraucht sind. Ebenso sind an diesem Tag nicht alle planetaren Grenzen der Erde überschritten (u.a. Klimawandel, Versauerung, Ozonabbau etc.). Es handelt sich vielmehr um den Stichtag, an dem die Regenerationsfähigkeit der Erde für das laufende Jahr überschritten wird. Ab diesem Tag leben wir nicht mehr von den "Zinsen", sondern von der Substanz.
Das Konzept des ökologischen Fußabdruckes wurde von Rees & Wackernagel (1994) entwickelt. Ermittelt wird ein Flächenmaß in globalen Hektar (gha), um den Naturfaktorenverbrauch für einzelne Menschen, Städt, Länder, Unternehmen etc. zu verdeutlichen.
Der individuelle ökologische Fußabdruck wird anhand eigener Angaben zum Lebensstil (Ernährung, Wohnen, Mobilität etc.) ermittel; der Fußabdruck von Staaten auf Basis volkswirtschaftlicher Indikatoren zum Konsum (Produktion + Import minus Export).
CO2 (bzw. die benötigten Flächen für die Energieerzeugung und Aufnahme von CO2) spielt eine wesentliche Rolle im ökologischen Fußabdruck, jedoch werden auch andere Flächenkategorien (Weide-, Acker-, Gewässer-, Wald-, Siedlungs- und Verkehrsflächen) berücksichtigt.
Der anthropogen verursachte Klimawandel erscheint als drängendste gesellschaftliche Herausforderung, die mit anderen Nachhaltigkeitsthemen (Biodiversitätsverlust, soziale Ungleichheiten, Migrationsdruck, ökonomische Kosten etc.) verknüpft ist. Obwohl die Treibhausgasemissionen in Deutschland seit Jahren sinken, steigen sie weltweit an - die Weltgemeinschaft ist hier nach wie vor weit von einer Lösung entfernt.
Ökonomisch ist der Klimawandel hoch relevant, u.a. durch exponenziell steigende Schadenskosten, hohe Anpassungskosten, gestörte Lieferketten etc. Klimawandel bietet aber auch ökonomische Chancen durch klimafreundliche Produkte und Geschäftsmodelle. Verschiedene Studien (z.B. Stern 2006; IPCC 2023) kommen zu dem Schluss, dass die Kosten frühzeitigen Handeln im Klimaschutz deutlich geringer ausfallen als die Kosten des Nicht-Handelns mit hohen Folgekosten in der Zukunft.
Erstmals 2009 von einem Forscherteam um Johan Rockström quantifiziert, zeigen die Planetary Boundaries die ökologischen Belastungsgrehzen der Erde und deren Überschreitung an. Im Jahr 2025 wurden 9 Grenzen quantitativ eingeschätzt, davon sind 7 überschritten (Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung der Landnutzung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs, Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe, Eintrag menschengemachter Substanzen sowie Ozeanversauerung).
Wird das Konzept der Planetary Boundaries um soziale Grundlagen ergänzt, die es zwingend einzuhalten gilt, spricht man von der Doughnut-Economy (Raworth 2017; Fanning & Raworth 2025).
VUCA ist ein Akronym (Abkürzung aus den Anfangsbuchstaben) der Begriffe Volatilität, Uncertainty, Complexity und Ambiguity. VUCA steht für die Eigenschaften und Herausforderungen der Gegenwart. Da die Gefühle von Menschen in der VUCA-Welt von der Abkürzung nicht hinreichend erfasst werden, hat sich zusätzlich BANI etabliert (Gefühle und Wahrnehmung der Welt als brittle = brüchig, anxious = ängstlich, non-linear = nichtlinear und incomprehensible = unverständlich).
Externe Efekte (Externalitäten) sind Nebenwirkungen wirtschaftlicher Handlungen, die Auswirkungen auf Unbeteiligte haben und die vom Verursacher/Nutznießer nicht kompensiert werden. Es gibt positive externe Effekte (begrüntes Werksgelände, zugängliche Ergebnisse der Forschung) sowie negative externe Effekte (kostenlose Emissionen von Schadstoffen, Überlastung von Mitarbeitenden mit der Folge chronischer Erkrankungen etc.). Werden die entstandenen Wirkungen vom Unternehmen finanziell kompensiert (z.B. Entschädigungszahlungen), handelt es sich nicht mehr um eine Externalität, da ein Kostensignal eintritt und dieses in der Preisfunktion berücksichtigt wird.
Ein soziales Dilemma ist eine Situation, in der das kurzfristige Verfolgen von Einzelinteressen in eine Situation führt, die dem langfristigen Wohl der Gruppe oder Allgemeinheit entgegenläuft. Zu unterscheiden sind Nutzungsdilemmata (individuell übermäßige Nutzung eines Allmendegutes führt längerfristig zur Zerstörung der Ressource) und Beitragsdilemmata (Inanspruchnahme von Einrichtungen ohne eigene Beiträge, Trittbrettfahrerverhalten).
Während Effizienz relativ ist und ein Aufwand-Nutzen-Verhältnis in den Mittelpunkt rückt (Aufwandsminimierung), bezeichnet Effektivität die Wirksamkeit und fragt nach dem Grad der tatsächlichen Zielerreichung. Zentral für Effektvität ist das Hinterfragen, ob die Aktivitäten überhaupt zielführend sind ("die richtigen Dinge tun"), womit der Bezug zur Nachhaltigkeit offensichtlich wird. Im Nachhaltigkeitskontext wird mit Effektivität auf Ebene des Gesamtunternehmens die Frage nach dem Sinn und Zweck unternehmerischen Handelns (Purpose) verbunden, d.h. positive Beiträge zum Gemeinwohl, zur Lebensqualität vieler etc.
Neoklassische Modellannahmen wie vorhandene Substitute, Verschiebbarkeit von Grenzen durch technologischen Fortschritt bei Abwesenheit einer absoluten Grenze, Reversibilität und Menschenbild des homo oeconomicus sind einfache, in sich konsistente Annahmen. Mit zunehmender Inanspruchnahme ökologischer und sozialer Ressourcen durch wirtschaftliches Handeln zeigt sich die Realitätsferne dieser Annahmen. Darauf beruhende Entscheidungen haben erheblich zu Nachhaltigkeitsproblemen beigetragen.
Vertreter der Nachhaltigkeitswissenschaften (u.a. gespeist von ökologischer Ökonomik, Systemtheorie, verhaltenswissenschaftliche BWL, Naturwissenschaften) erkennen hingegen absolute Grenzen und die spezifischen Funktionsweisen ökologischer und sozialer Systeme an sowie rücken die Frage nach Lebensqualität/Zufriedenheit/Gemeinwohl in den Mittelpunkt.
Als ökonomische Ursachen für ökologische Probleme lassen sich anführen: Umweltgüter als freie Güter (kein Marktpreis), negative externe Effekte, soziale Dilemmata, Nachsorgeorientierung, Verschwendung, Einsatz wirkmächtiger Technik, Wachstumsorientierung und Bedrohungs-/Zerstörungspotenziale. Hingegen entspricht eine Vorsorgeorientierung dem Nachhaltigkeitsgedanken. Wären Umweltgüter privat, dann könnten Konsumenten von der Nutzung ausgeschlossen und ein Preis verlangt werden, was der Übernutzung (Kollektivgutproblem) entgegenwirken würde.
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